Hinter den Kulissen 28. April 2026 · Jan Kristinus

Cortado, Cargo-Bike, Code

Ein Agenturtag in Frankfurt — irgendwo zwischen Bahnhofsviertel, Bornheim und einer offenen Browser-Konsole.

Wir sitzen in der Bethmannstraße. Linker Hand das Bahnhofsviertel — diese Mischung aus Falafel, Spätis, Galerien, sehr guten Bars und sehr ehrlichen Straßenecken. Rechter Hand die Altstadt mit Römerberg, Kleinmarkthalle und einer Touristen­dichte, die in der Mittagspause auch mal nervt. Frankfurt ist klein. Frankfurt ist dicht. Frankfurt ist genau das, was eine Agentur braucht: alles in 12 Minuten erreichbar, am liebsten mit dem Rad.

Wir machen seit ein paar Jahrzehnten Web — und seit fünfzehn Jahren machen wir es bewusst hier, statt in Berlin oder „remote von überall". Hier ein paar Notizen aus einem ganz normalen Tag, festgehalten zwischen einem doppelten Cortado und einer Code-Review.

8:42 — Der Kaffee, der über den Tag entscheidet

Man unterschätzt das gerne, aber: ein guter Tag fängt nicht im Slack an, sondern an der Theke von Wackers Cafe. Single Origin, Honey-Process, Hand-Pour-Over wenn man Zeit mitbringt — sonst ein Flat White, der die nächsten zwei Stunden trägt.

Das ist kein Schickimicki — das ist Recherche. Wer den ganzen Tag Designs für Drittwellen-Marken baut und nie selbst eines dieser Cafés betreten hat, merkt das in den Pixeln. Die beste Tonalität-Recherche kostet 4,20 € und schmeckt nach Bergamotte.

10:30 — Stand-up im Open-Plan

Das Stand-up ist tatsächlich noch ein Stand-up — wir setzen uns nicht hin. Drei Minuten pro Person, Kanban-Board offen, niemand teilt Screen, weil es im Raum sowieso jeder sieht. Tickets wandern, Blocker kommen raus, Rest läuft asynchron. Das hat sich bewährt: ein Meeting am Vormittag, danach Deep Work bis zum Mittag.

Wir bauen in dieser Zeit vor allem zwei Sorten Software: REDAXO-basierte Plattformen (das CMS, das wir vor 20 Jahren in einer Mansardenwohnung in Bockenheim erfunden haben) und Spezial­anwendungen, bei denen Daten sensibel sind. ISO/IEC 27001 zertifiziert sein heißt nicht, dass es plötzlich glamourös wird — es heißt, dass das nächste Pen-Test-Ergebnis im Kalender steht und der Backup-Restore neulich tatsächlich getestet wurde. Backup-Restore-Tests sind die ungeliebte Kehrseite des Hipster-Tools-Hypes.

12:50 — Lunch Roulette in der Kleinmarkthalle

Kleinmarkthalle. Es ist immer voll, immer laut, immer richtig. Bei Schreiber holen die Kollegen, die sich für die Werkmittagspause entschieden haben, ihre Frikadelle mit Brötchen. Wir anderen drehen einmal durch die Halle: handgemachte Pasta von Pieces of Pasta, das thailändische Curry, das spanische Bocadillo. Drei Stockwerke voller Mikro-Geschäftsmodelle, die alle besser laufen als der nächste DTC-Sneaker-Drop, über den wir gerade ein Pitch-Deck schreiben.

Wir essen auf der Treppe oder draußen am Liebfrauenberg. Ein Kollege erzählt, warum eine bestimmte Kunden-Headline nicht funktioniert. Eine andere Kollegin liest gerade ein Buch über Kapitalismus­kritik in der Werbung — sehr Frankfurter Schule, very meta. Aus solchen Gesprächen entstehen ungelogen die besten Konzepte.

14:30 — Pitch-Slot, Code-Review, Cargo-Bike

Nachmittag ist Mischbetrieb. Der eine Teil der Agentur sitzt im Pitch-Call mit einer Stiftung, die ihre Plattform sanft modernisieren möchte (sanft heißt: in fünf Jahren noch wartbar, kein Rewrite). Der andere Teil reviewt Pull Requests in einem REDAXO-Add-on. Eine Designerin schickt einen Figma-Frame in Slack mit der Notiz „bevor jemand fragt: ja, das ist absichtlich so asymmetrisch" — passt.

Für Termine fahren wir Cargo-Bike. Frankfurt ist eine der wenigen Städte, in der die Distanzen ehrlich klein sind: vom Bahnhofsviertel ins Westend zum Kunden, 9 Minuten. In die Galopprennbahn zum Sommerfest, 22. Auto haben wir noch — aber meistens steht es im Hof und schämt sich. Lastenrad, S-Bahn, zur Not Taxi: Frankfurter Mobilität ist ehrlich pragmatisch und gerade deshalb richtig hipster, weil ohne Pose.

18:15 — Feierabend an der Berger

Feierabend in Frankfurt heißt: an die Berger Straße ziehen oder rüber nach Sachsenhausen. Für ein Bier zum Yok-Yok im Bahnhofsviertel, wo der Späti zur Open-Air-Bar wird, sobald die Sonne schräg steht. Oder zum Walden an die Kleine Hochstraße auf einen Negroni — falls man heute lieber sitzen als stehen will. Die Linie zwischen Late Lunch und Aperitivo ist hier nicht streng.

Wir reden weiter. Über das Briefing für nächste Woche, über die nächste REDAXO-Version, über den lokalen Wahlkampf, über die Frage, ob ChatGPT jetzt unser nächster Praktikant wird (Spoiler: irgendwie schon, aber er trägt halt keine Schuld, wenn der Code fehlerhaft ist). Manchmal wird es ein langer Abend, manchmal sind wir um 21 Uhr wieder zuhause. Frankfurter Maß: kompakt.

Warum Frankfurt für uns funktioniert

Frankfurt ist nicht laut. Frankfurt ist effizient. Frankfurt hat mehr Kreative pro Quadratkilometer als der Klischee-Reiseführer behauptet — sie sind nur nicht so demonstrativ. Du erkennst die Agentur-Leute nicht an der Brille, sondern daran, dass sie auf der Berger zwischen Buchladen und Wein­handlung kurz im Macbook etwas committen, bevor sie zum Abendessen gehen.

Für eine Agentur, die langlebige Plattformen baut, ist das ideal: nah an Kunden (DAX, Stiftungen, Verbände, Verlage — alles in der Stadt), nah an spannenden Bohnen, nah an Menschen, die gerne über Software nachdenken, ohne dass es gleich um Series-A geht. Wir machen Web. Wir machen es seit 1996. Und wir machen es in Frankfurt am Main — weil hier ehrliches Tempo möglich ist.


Mehr über uns: yakamara.de · Schreib uns: hallo@yakamara.de

Was so ein kleiner prompt alles an Text schreibt :)

schreib mir einen Artikel über das Agenturleben in Frankfurt, recherchiere und es muss in hipsterstile sprache sein. BItte unter Hinter den kulissen anlegen.


JK

Jan Kristinus