Wie wir diesen Blog mit Claude gebaut haben
Vom KI-generierten Design über Templates und Module bis zum Auto-Deploy — ein Werkstattbericht
Du liest diesen Artikel auf einer Seite, die wir in den letzten Wochen fast komplett mit KI gebaut haben. Nicht „mit KI als Autocomplete daneben" — sondern KI als Werkzeug für Design, Code, Inhalte und Deployment. Wir wollen kurz erzählen, wie das eigentlich abläuft, wo es leicht war, und wo wir uns die Finger verbrannt haben.
Es fing mit ein paar Bildern an
Den Anfang machte Claude Design. Wir haben dort mehrere Screens für unsere neue Agenturseite gebaut — Magazinseite, Artikelseite, Autor:innenprofil, ein bisschen Niederrhein-Atmosphäre. Heraus kam ein einzelnes HTML-File mit Layout, Typografie, Farb-Tokens, Hover-Verhalten — eben eine Design-Exploration, kein produktionsreifes Theme.
Dieses File haben wir Claude Code in die Hand gedrückt mit einem ziemlich kurzen Prompt:
„Hier ist unsere Design-Exploration als HTML. Bau daraus REDAXO-Templates und wiederverwendbare Module. Layout, Tokens und Hover-Verhalten bitte 1:1 übernehmen."
Aus dieser Exploration wurden vier Templates (Default, Magazine, Category-Archive, Author-Profile) und acht Module — von der schlichten Headline über Markdown-Texte und einer Featured-Hero-Box bis zu Code-Block, Callout und einer „Mehr aus dieser Kategorie"-Liste.
Module statt Seitenbau
Statt jede Seite einzeln zu pflegen, haben wir einen kleinen Baukasten gebaut. Jedes Modul macht eine Sache, und jeder Artikel ist eine Folge solcher Bausteine. Das hat zwei Vorteile: Redaktion bleibt einfach („Headline rein, Markdown rein, Bild rein, fertig"), und wir können die Seiten konsistent halten ohne Copy-Paste-Hölle.
Die Module liegen als ganz normale REDAXO-Module im Backend, werden aber gleichzeitig als Dateien im Repo verwaltet (per developer-AddOn, das in beide Richtungen synct). Editieren in der IDE, Speichern im Backend — egal, beide Stände bleiben deckungsgleich.
Inhalte über die API statt im Backend tippen
Spannend wurde es bei den Inhalten. Wir wollten nicht jeden Artikel händisch im Backend klicken — also haben wir das api-AddOn aus dem Friends-Of-REDAXO-Universum aktiviert. Das ist eine REST-API, die Artikel, Kategorien und Slices direkt anlegen kann.
Der typische Ablauf sieht jetzt so aus: Wir schreiben Claude Code eine Zeile wie
„Erstelle einen Artikel zum nächsten REDAXO-Tag, Infos auf redaxo.org."
— und Claude recherchiert auf der offiziellen Seite, baut einen Entwurf, zeigt ihn uns kurz zur Abnahme, und legt ihn dann per zwei API-Calls an:
# 1. Artikel anlegen
curl -X POST https://blog.yakamara.de/api/structure/articles \
-H "Authorization: Bearer …" \
-d '{"name":"REDAXO-Tag 2026","category_id":8,"template_id":1,"status":1}'
# 2. Inhalt als Slice dranhängen
curl -X POST https://blog.yakamara.de/api/structure/articles/9/slices \
-H "Authorization: Bearer …" \
-d '{"module_id":7,"clang_id":1,"value4":"# Markdown..."}'
Klingt unspektakulär, ist es eigentlich auch — aber das Stück dazwischen, „Claude weiß, welches Template, welches Modul, welche Felder", ist der eigentliche Trick. Diese Spielregeln haben wir in der CLAUDE.md des Repos festgehalten. So weiß jede neue Session sofort, wie sie mit dem Projekt arbeiten soll, ohne dass wir es jedes Mal erklären müssen.
Aus einem Bug wird ein Pull Request
Beim Anlegen des allerersten Artikels über die API sind wir prompt in vier kleine Bugs des api-AddOns gestolpert: Ein Tippfehler im Listen-Filter, ein PDO-LIMIT-Binding, das auf manchen Servern streikt, eine inkonsistente Trailing-Slash-Regel, und ein Exception-Handler, der jeden Fehler zu einem irreführenden 401 macht.
Statt drumherum zu programmieren, haben wir die Sachen direkt im AddOn gefixt — und denselben Patch noch in der Sitzung als Pull Request an das Upstream-Repo geschickt. Auch das übernimmt Claude: Repo klonen, Branch, Commit, Push, PR-Beschreibung. Wir kontrollieren und drücken auf Enter.
Deploy auf Knopfdruck
Den Schritt vom Repo in die produktive Umgebung übernimmt Deployer — ein einziger Befehl, dep deploy, zieht den aktuellen Stand auf den Server, fährt Datenbank-Migrationen über das ydeploy-AddOn nach und schaltet die neue Version live. Das ist nicht KI, sondern solides PHP-Deployment-Handwerk — aber es bedeutet, dass die KI-Workflow-Schleife vom Prompt bis zum live-rendernden Artikel ohne FTP-Browser, ohne Backend-Klicks, ohne Copy-Paste auskommt.
Was wir mitgenommen haben
- KI ist gut darin, Strukturen zu erfassen. Vom Design-HTML auf saubere Templates kam erstaunlich verlustfrei.
- Konventionen schlagen Genie. Klare Regeln in der
CLAUDE.md— „Das Modul hat diese Felder", „Schreibzugriff auf Prod erst nach Freigabe" — sparen mehr Zeit als jeder cleverer Prompt. - Bugs sind okay. Wenn man eh gerade in einem Tool steckt, ist der PR ans Open-Source-Repo nicht weiter weg als der Workaround. Beides haben wir parallel gemacht.
- Die langweiligen Teile bleiben langweilig. Deploy, Sync, Caches, yrewrite-Pfade — das ist immer noch klassisches Engineering, aber durchorchestriert von der KI bis zum letzten Schritt.
Dieser Artikel hier? Auch über den Workflow oben angelegt. Headline, Markdown, fertig — der Rest war ein zweizeiliger Prompt.