Zwei 12-Jährige, zwei Stunden, zwei Spiele — unser Girls' Day
Wie unsere jüngsten Praktikantinnen mit Claude einen Endless-Runner und ein Harry-Potter-Quiz gebaut haben — ohne eine einzige Zeile selbst zu tippen
Am 23. April war Girls' Day — der bundesweite Mädchen-Zukunftstag. Schülerinnen schauen einen Tag lang in Berufe rein, in denen der Frauenanteil noch ziemlich klein ist — IT, Handwerk, Technik, Wissenschaft. Bei uns waren zwei 12-jährige Mädchen zu Besuch.
Wir hatten kein langes Programm vorbereitet. Wir wollten zeigen, wie sich der Beruf eines Tages anfühlt — und haben deswegen einfach gefragt: „Was würdet ihr gerne mal selber bauen?" Die Antwort kam ohne Zögern: ein eigenes Spiel.
Zwei Stunden, zwei fertige Spiele
Wir haben uns hingesetzt, Claude (Modell Opus 4.7) in einem Browser-Tab geöffnet, ein leeres HTML-File daneben — und die beiden einfach reden lassen. Sie haben Claude beschrieben, was sie sich vorstellen, was hübsch aussehen soll, was passieren muss, wenn man verliert. Claude hat dann den Code geschrieben, wir haben den Output gespeichert und im Browser gestartet. Und wieder von vorn: „das hier soll bitte rosa sein", „die Münzen müssen sich drehen", „ein Auto wäre auch cool".
Nach zwei Stunden standen zwei spielbare Sachen da. Beide laufen direkt im Browser — ohne Server, ohne Build, ohne Installation. Nur HTML, CSS und JavaScript in einer einzigen Datei.
🌸 Aesthetic Runner
Ein Endless-Runner in zarten Pastelltönen mit Blumen, Schmetterlingen und einem klaren „kein-Stress"-Vibe. Steuerung mit Pfeiltasten oder Wischgesten am Handy: links/rechts auf die Spuren wechseln, Sprung nach oben, Ducken nach unten. Münzen sammeln schaltet zufällige Fahrzeuge frei.
Was uns selbst überrascht hat: das Ding fühlt sich richtig „designed" an, nicht wie ein Coding-Übungsspiel. Das war komplett die Bildsprache der beiden — Claude hat einfach umgesetzt, was sie hübsch fanden.
🪄 The Hogwarts Trials
Ein Harry-Potter-Quiz auf Englisch, gedacht als Lernhilfe für den Englischunterricht. Vier Schwierigkeitsstufen von 10 bis 20 Fragen, Live-Score, 15-Sekunden-Timer pro Frage, am Ende „Best Streak" und „Trial Hall of Fame". Vom Look her komplett im Hogwarts-Vibe: Sterne, Häuser-Wappen, dunkle Hintergrundfarben.
Die Idee dahinter kam direkt aus dem Schulalltag der beiden: „Wir müssen für eine Englischarbeit lernen — können wir uns ein Quiz dafür bauen?" Die Antwort war: ja, in 45 Minuten.
Wie lief das eigentlich ab?
Anders als man's vielleicht erwartet, haben die beiden so gut wie gar nichts vom Code zu Gesicht bekommen. Der Ablauf war erstaunlich einfach:
- Claude beschreiben, was man will — in ganz normalen Sätzen, kein Fachjargon nötig
- Code rauskopieren, in eine
.html-Datei pasten, im Browser öffnen - Probieren, anschauen — und Claude sagen, was anders soll
- Wiederholen bis es Spaß macht
Es ist ein bisschen wie mit einer richtig schnellen Werkstatt: man beschreibt, jemand baut, man testet, man verfeinert. Nur dass die Werkstatt diesmal aus einer KI besteht und in zehn Sekunden liefert.
Du willst auch eins bauen?
Du brauchst keinen Code-Hintergrund. Was du brauchst: einen Browser, claude.ai (oder ChatGPT, Gemini, Mistral — funktioniert ähnlich), und eine Idee. Hier ein paar Prompts zum Reinkommen:
„Bau mir ein einfaches Spiel als HTML-Datei: ein Frosch, der über Lilypads springt, mit Pfeiltasten gesteuert. Hintergrund: ein See im Sonnenuntergang. Wenn er ins Wasser fällt, ist es vorbei. Alles in eine Datei, ohne externe Bibliotheken."
„Ich will ein Vokabel-Quiz für Englisch, Klasse 6. 20 Wörter, Multiple-Choice mit drei Antworten, Punkte-Zähler. Nach jeder Frage kurz richtig/falsch anzeigen. Hübsche Schrift, keine Bilder."
„Mach mir ein Memory-Spiel mit 16 Karten. Auf den Karten Emojis von Tieren. Wenn ein Paar gefunden ist, kleines Fanfare-Geräusch oder Animation. Zwei-Spieler-Modus mit Punktezähler."
Wichtig dabei: konkret werden. „Ein Spiel" ist zu wenig. „Ein Spiel mit X als Hauptfigur, das man mit Y steuert, und das Z als Ziel hat" funktioniert deutlich besser. Und einfach weiter nachfassen: „die Farben sind zu dunkel", „mach den Hintergrund animiert", „die Punkte sollen oben rechts stehen".
Was wir mitgenommen haben
Das war für uns selbst aufschlussreich. Drei Beobachtungen:
- Coding wird zu Beschreiben. Die Frage ist immer weniger „kannst du programmieren?" und immer mehr „kannst du genau sagen, was du willst?" — und das kann ein 12-jähriger Kopf erstaunlich gut.
- Hübsch ist plötzlich einfach. Pastell-Farbverläufe, weiche Animationen, schöne Schriften — alles Sachen, die früher Stunden gedauert haben und jetzt einfach mit „mach das hübsch" passieren.
- Es macht Lust auf mehr. Beide haben gefragt, ob sie das zuhause weitermachen können. Genau das wollten wir an einem Girls' Day.
Wir freuen uns aufs nächste Jahr.
— yakamara